Der TS Individual im Detail

Wenn man lange nur mit Teleskopen beobachtet die eine Obstruktion haben - also einen Fangspiegel im Strahlengang, ist man von der Abbildungsgüte eines Refraktors immer wieder begeistert. Die feine, punktförmige Sternabbildung, die scharfen und Kontrastreichen Planetenbilder faszinieren - zumindest ging es mir immer so, wenn ich auf Teleskoptreffen durch solche Instrumente geschaut habe. Auch bei meinem Hauptbeobachtungsfeld - den Kometen, wünschte ich mir eine bessere Abbildung. Ein Refraktor musste also her, möglichst mit großer Öffnung und nicht all zu langer Brennweite um noch große Felder am Himmel überblicken zu können. Die Wahl viel also auf den TS Individual 152 mit 900mm Brennweite (Bild oben). Interessant wäre auch der Bresser Messier AR-152 mit 760 mm Brennweite gewesen, zu einem deutlich geringeren Preis. Doch dieser war mir doch etwas zu kurzbrennweitig für die Planetenbeobachtung - 900mm sind da schon etwas vorteilhafter.
Der Individual wird vom Hersteller mit deutlich weniger Farbfehler beworben gegenüber typischen 6" f/5 Fraunhofer Refraktoren bei vergleichbarer Baulänge. Viel kann ich darüber nicht sagen, da mir der Vergleich fehlt. Der Laie wird sich fragen, was ist ein Farbfehler? Kurz und salopp erklärt: Ein Linse sammelt und bündelt das einfallende Licht in einen Brennpunkt. Das Licht wird aber auch in verschiedenen Farben gebrochen. Ein Fraunhofer-Objektiv kann aber nicht alle Farben exakt in einen Brennpunkt vereinigen. Besonders blaues Licht wird stärker abgelenkt als rotes, so dass eben in einem achromatischen Refraktor bei hellen Objekten an den Rändern stets ein blauer Farbsaum zu sehen ist. Es gibt aber sogenannte Apochromatische Refraktoren die absolut Farbrein sind. Die Herstellung solcher Linsen ist aufwändig und muss teuer bezahlt werden - ein Gerät gleicher Größe würde das 7-8-fache des TS Individual 152 kosten! Es gibt aber sehr gute Filter, die den Farbfehler verringern oder fast neutralisieren - dazu gleich mehr.

Der 6"-Refraktor hat einen groß dimensionierten 3-Zoll Crayford-Okularauszug mit 1:11 Untersetzung für feinfühliges Fokussieren und ist kugelgelagert. Eine Reduzierung sorgt für den Anschluss für 2-Zoll-Zubehör. Eine Skala auf dem Auszugsrohr beschleunigt bei der Fotografie den Schärfepunkt wieder zu finden. Bis Mittelformat kann der Auszug noch gut ausleuchten.
Die Taukappe kann eingeschoben werden, so dass sich die Transportlänge verkürzt. Der Verschluss der Optik bzw. die Staubschutzkappe ist keine solche die über die Öffnung gestülpt wird, sondern massiv aus Metall und wird in die Tauschutzkappe geschraubt - etwas für´s Leben! Mir persönlich sind überstülbbare Staubschutzkappen jedoch lieber! Die Rohrschellen sind aus Aluminium und CNC-gefräst. Daran befindet sich eine Prismenschiene im GP-Level. Im Lieferumfang war ein Leuchtpunktsucher, mit dem ich persönlich aber gar nicht zurecht kam und ihn durch einen 7x50-Sucher ersetzt habe. Insgesamt macht das Teleskop einen äußerst hochwertigen Eindruck.
Erstes Licht war in einer lauen Sommernacht Ende Juni 2011. Ich fuhr verschiedene Objekte des Sommerhimmels mit der GoTo-Steuerung der CGEM an. Kugelsternhaufen, planetarische Nebel, ein paar Galaxien. Der Blick auf das erste Objekt war für mich ein Aha-Erlebnis: Welch eine saubere und astreine Abbildung! Klare, scharfe und punktförmige Sterne! Man merkt sofort, wenn man den optimalen Fokus getroffen hat. Beeindruckend auch der Blick durch ein 2-Zoll Weitwinkelokular mit 38mm Brennweite und 70° Gesichtsfeld bei 24-facher Vergrößerung. Solche Beobachtungen kann ich zwar mit meinem kurzbrennweitigen 8-Zoll-Schmidt-Newton auch durchführen, aber ich muss sagen, dazwischen liegen Welten!
Der Farbfehler und dessen Beseitigung
Im Deep-Sky Bereich spielt der Farbfehler einer Linsenoptik keine große Rolle, da man mit moderaten Vergrößerungen hantiert und meist lichtschwache Objekte beobachtet. Anders bei der Mond -und Planetenbeobachtung. Der Farbsaum kann sich störend bemerkbar machen, und das eine oder andere Detail verwischen. Auch bei der CCD-Fotografie verursacht der Farbfehler hässlich aufgeblähte Sterne - besonders an den hellen Exemplaren. Den optimalen Fokus zu finden kommt erschwerend hinzu. Doch es gibt Abhilfe. Im Handel werden verschiedene Filter angeboten, die den Farbfehler reduzieren oder auch nahezu ganz verschwinden lassen. Man riet mir zu einem Baader Kontrast-Booster. Erste Ergebnisse waren verblüffend - besonders fotografisch. Visuell verschwindet der Blausaum komplett. Je nachdem wie man fokussiert bzw. das Auge hin und her bewegt, sah ich zeitweise an Kanten (das Testobjekt war ein Hochspannungsmast), rote oder grüne Säume - das Bild war auch im Wechsel wieder Farbfrei. Die Säume waren jedoch viel schmäler als der ohne Filter vorhandene Blausaum und auch gar nicht störend. Das Bild wird aber durch den Filter leicht grünlich eingefärbt - damit kann man aber bei der Planetenbeobachtung leben.
Fotografische Ergebnisse sahen wie folgt aus. Zuerst ein Test mit der Meade LPI Farbkamera. Links eine Aufnahme ohne Filter. Deutlich tritt der blaue Farbsaum hervor, besonders an der obere und an der seitlichen Kante. Rechts eine Aufnahme mit dem Baader Kontrast-Booster. Der Farbsaum ist verschwunden, das Bild wirkt schärfer und Kontrastreicher. Details sind besser zu erkennen.
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LPI ohne Filter am 152/900mm Refraktor | | LPI mit Baader Kontrast-Booster am 152/900 mm Refraktor |
Hier mit der DSI I CCD-Farbkamera. Links wieder ohne Filter mit blauen Farbsäumen an den Kanten. Rechts mit dem Filter ohne Farbsäume mit mehr Kontrast und Details.
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DSI I Color ohne Filter am 152/900mm Refraktor | | DSI I Color mit Baader Kontrast-Booster am 152/900mm Refraktor |
Dann der Test mit der DSI PRO II CCD-Kamera. Hier erfasst die Schwarzweiß-Kamera auf dem linken Bild den Farbsaum nicht so deutlich, jedoch sind die Kanten nicht scharf abgebildet. Rechts dagegen mit dem Filter sind die Kanten klarer definiert und das Bild ist auch hier kontrastreicher.
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DSI PRO II CCD ohne Filter am 152/900mm Refraktor | | DSI PRO II mit Baader Kontrast-Booster am 152/900mm Refraktor |
